15. Dec. 2017

Schwerpunkte


Unsere Philosophie, unsere Schwerpunkte:

Schnell und flexibel auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Kinder einzugehen ist ein Grundprinzip. Die beste Planung ist nicht mit Zufriedenheit durchsetzbar, wenn die Hellhörigkeit für die derzeitigen Bedürfnisse fehlt. Situationsbezogenes Handeln mit viel Einfühlungsvermögen ist Voraussetzung im Umgang mit Kindern.

Weniger ist oft mehr und dies bestätigt sich im Tagesablauf, der dann entspannt und meist ruhig verläuft. Der Aufbau des Selbstvertrauens der Kinder durch altersgemäße Beschäftigung steht im Vordergrund denn ein einjähriges Kind hat andere Bedürfnisse als ein dreijähriges.
Die Regeln in der Kindergruppe beziehen sich größtenteils auf das soziale Miteinander und beginnen dort wo beispielsweise ein Kind ein anderes in seinem Tun einschränkt, bedrängt oder gar gefährdet.

Mit Einfallsreichtum und kindgerechter Darbietung von Liedern, Sprüchen und Geschichten sind die Kinder leicht für das Mittun zu animieren – ob im Sesselkreis oder auf der Kuschelcouch. Sowohl traditionelles, bewährtes als auch modernes Liedgut soll gepflegt werden. In den Bewegungseinheiten steht der Spaß im Vordergrund. Auf Ideen und Anregungen der Kinder wird eingegangen.

Die Begeleitung und Unterstützung bei Geschicklichkeits- und Brettspielen ist in diesem Alter notwendig. Im Vordergrund stehen die Erfolgserlebnisse der Kinder, die sie zum Weitermachen und Experimentieren anregen. Maria Montessoris Prinzip “hilf mir es selbst zu tun” ist einer der wichtigsten Anhaltspunkte.

Das Kuscheln ist in einer Kindergruppe eines der wichtigsten Bedürfnisse der Kinder. Entspannen, ausrasten, neue Energien tanken – auf der Kuschelcouch und in der Kuschelecke ist das am Schönsten. Manchmal verbringen Kinder Stunden mit Kuscheln und Schmusen. Da kann alles andere zur reinsten Nebensächlichkeit werden. Geschichten erzählen, vorlesen und vorsingen, lauschen oder auch nur beobachten was und wie die anderen spielen – selbst diese Art der Beschäftigung für das Kind darf in seiner Wichtigkeit nicht unterschätzt werden.

Eine unsere Aufgaben besteht darin, Kinder in ihrer Kreativität zu unterstützen aber nicht zu beeinflussen. Dies fördert ihr Selbstvertrauen und die Freude am selbständigen Gestalten. Wie Kinder mit unterschiedlichsten Techniken, und einfachen Hilfsmitteln wahre und einzigartige Kunstwerke entstehen lassen können – dies allein ist schon eine “Kunst”.

Zum Thema “Unter 3-jährige in Betreuung”:
“Qualität vor Quantität”

 Artikel aus “frische BÖE” Nr. 48, März 2004)

Was auch immer die Beweggründe sind, ein Kind in außerhäusliche Betreuung zu geben, die Eltern sollten dahinter stehen, sich sicher sein und dem Kind das Gefühl vermitteln können, dass es die beste Lösung ist.

Unsere Kindergruppe gibt es seit gut 5 Jahren, sie gehört also zu den noch etwas jüngeren Gruppen. In Kärnten kristallisierte sich immer mehr heraus, dass von der Landesregierung ein massiver Wunsch besteht, in Kindergruppen nur noch unter 4-jährige zu betreuen. Die Kinderzahlen sind allgemein rückläufig. Kindergärten sind nicht ausgelastet. Kindergruppen, die auch ältere Kinder betreuen werden als “Konkurrenz” zum Kindergarten gesehen. Unsere Kindergruppe ist in diese “Wunschvorstellung” des Landes hineingewachsen. Wir betreuten von Anfang an immer ein bis vier jährige Kinder. Eigentlich können wir uns jetzt eine darüber hinaus gehend altersgemischte Gruppe nur noch schwer vorstellen. Unsere ganze Einrichtung, die Planung, die Philosophie – alles ist für diese Altersgruppe der Ein- bis Vierjährigen bestimmt.

Meines Erachtens nach gibt es kein “entwicklungspsychologisch richtiges Alter” um ein Kind in außerhäusliche Betreuung zu geben. Zu viele Faktoren spielen hierbei eine Rolle.
Jedes Kind ist anders, bringt andere Ängste, Erfahrungen und Riten mit. Es ist immer wichtig jedem Kind genug Zeit zu geben, um in die Gruppe hineinwachsen zu können. Die meisten Kinder kommen unter dem Jahr. Das bedeutet, dass die Gruppe gefestigt und mit den Abläufen des Gruppenalltags gut vertraut ist. Das neue Kind kann dann mit seiner Begleitperson alles erkunden. Anfangs beobachten wir nur und achten darauf wie das Kind in unterschiedlichen Situationen reagiert. Mit der Begleitperson werden die wichtigsten Regeln besprochen und die sich ergebenden Situationen erläutert.
Im Schnitt reichen 14 Tage um ein Kind gut in die Gruppe einzubinden und ihm die nötige Sicherheit zu geben, die es braucht um mit 20 neuen Gesichtern umzugehen, und den Kindergruppenalltag zu überschauen.

Es gibt aber auch Kinder die 2 Monate und mehr schnuppern. Wobei nicht immer nur das Kind die Schnupperzeit braucht. Manchmal haben Eltern ein “schlechtes Gewissen” (oder bekommen von anderen ein solches eingeredet) das Kind schon “so Früh abzuschieben”. Kinder sind sehr sensibel, wenn es um das “Bauchgefühl” der Eltern geht. Sowohl positiv, negativ als auch ambivalent – das Gefühl der Eltern überträgt sich sehr schnell und massiv auf ihr Kind. Dieser Faktor sollte nie unterschätzt werden und die Einbindung der Eltern in die Belange der Kindergruppe ist daher sehr wichtig. Die Kindergruppe sollte für Eltern so transparent wie möglich sein. Denn alles Fremde und Unüberschaubare macht Angst. Die beste Möglichkeit Problemen vorzubeugen besteht darin: Sobald ein Kind angemeldet wird, lade ich die Angehörigen ein, so oft wie nur möglich und jederzeit (Essens- und Schlafenszeiten natürlich ausgenommen) vorbeizuschauen. Eltern und Kind lernen uns und unsere Gepflogenheiten kennen, wir lernen das Kind und den Umgang, den es gewohnt ist kennen. Denn auch das ist ein wichtiger Faktor um das Kind besser verstehen und seine Handlungsweisen reflektieren zu können.
Unsere Kinder sind Besuch gewöhnt. Die Anwesenheit von Schnupperkindern mit ihren Bezugspersonen ist nichts Außergewöhnliches und eine willkommene Abwechslung. Manchmal kennt ein Kind die Kindergruppe schon lange bevor es dann die Gruppe allein besucht.
Die Möglichkeit mit einer Vertrauensperson die neue Umgebung mit allem was dazugehört (BetreuerInnen, Kinder, Spielsachen, Sitten, Bräuche, zeitlicher Ablauf,…) kennen zulernen und nach eigenem Tempo zu erforschen ist das wichtigste.
Weitere Faktoren, die über Art und Dauer der Schnupperzeit entscheiden, sind:
In der Zeit des “Fremdelns” benötigt das Kind eine intensivere Vorbereitung und längere Schnupperzeit.
Auch wenn Kinder in oder nach einer der Eltern in die Kindergruppe kommen sollen, erweist sich dies meist als schwierig, wenn die Verlustangst durch die in Brüche gegangene Beziehung der Eltern sehr hoch ist.
Kinder, die einem häufigen Wechsel der Lebensumstände unterzogen sind (wechselnde Lebensgefährten, Betreuung durch unterschiedliche Personen zu denen das Kind kein richtiges Vertrauen aufbauen konnte, mehrmalige Wohnungswechsel,…) nehmen diese neue Situation oft als gegeben, nicht abänderbar an und “fügen sich einfach ein” ohne sich mit der neuen Umgebung vertraut zu machen. Dies sind meist recht unauffällige Kinder und dies müssen besonders beachtet werden. Bei diesen Kindern ist es besonders wichtig sie zu unterstützen, Vertrauen aufzubauen um ihnen in der Gruppe ein Gefühl der Sicherheit und Regelmäßigkeit zu geben.
Kinder wiederum, die eine besonders große Portion “Urvertrauen” mit auf den Weg bekommen haben, können sich meist nach einer relativ kurzen Eingewöhnungsphase im Kindergruppenalltag zurechtfinden.

Das soziale Denken und Fühlen der Kinder wird in der Kindergruppe schon sehr früh gebildet. Es gibt nicht viele Regeln, aber diese sollen eingehalten werden. Natürlich unter Berücksichtigung des Alters. Die etwas älteren Kinder erkennen sehr bald, dass es Miteinander immer leichter geht und akzeptieren, dass jüngere Kinder noch nicht alles verstehen und beachten können und unterstützen die Kleinsten meist tatkräftig. Obwohl unsere ältesten Kinder höchstens vier Jahre alt sind.

Das wichtigste Element ist das Kuscheln. Wir verbringen Stunden damit, in der Kuschelecke mit den Kindern zu plaudern, zu singen, Bücher anzuschauen, vorzulesen,… Im Gegensatz zum Kindergarten sind wir immer mitten unter den Kindern- auf der Couch, in der Kuschelecke, am Boden in der Bauecke,…

Dabei kann jedes Kind viele positive Erfahrungen sammeln. Viele Kinder sind den Umgang mit Gleichaltrigen nicht mehr gewohnt. Dies ist ein großer Verlust für unsere Gesellschaft. Die Zeiten, in denen Kinder zu Hause und in der Nachbarschaft viele Spielkameraden hatten und mit den älteren Kindern unterwegs waren, sind wohl vorüber. Eine Alternative dazu bieten Kindergruppen. Zwar sind die Erfahrungen in der freien Natur wahrscheinlich nicht so vielfältig, aber durch unterschiedlichste Projekte können viele Erfahrungen eingebracht werden, die auch für die Kleinsten von Bedeutung sind.

Viele Eltern haben nicht wirklich die Wahl, wann sie ihr Kind in außerhäusliche Betreuung geben. Im Bezug auf das Kindergeld stellt sich die Frage, welche allein erziehende Mutter mit diesen finanziellen Mitteln längere Zeit auskommen kann. Auch bei einer Lebensgemeinschaft, die einen gewissen Lebensstandard gewohnt ist, kann das zu wenig sein.
Viele Mütter müssen nach der Karenzzeit in ihren Job zurück, weil sie ihn sonst verlieren und nach der Kinderpause schwer wieder auf dem selben Niveau einsteigen können.
Viele möchten aber auch einfach schnell wieder ins Berufsleben zurückkehren, weil die Aufgabe “nur” für Kinder und Familie da zu sein, zu wenig Erfüllung bringt.

Was auch immer die Beweggründe sind, ein Kind in außerhäusliche Betreuung zu geben, die Eltern sollten dahinter stehen und dem Kind das Gefühl geben, dass es das Beste ist. Natürlich ist die Beschäftigung mit dem Kind zu Hause dann auch sehr wichtig. Das Kind soll nicht das Gefühl bekommen, abgeschoben zu sein.

Ein Grundsatz, den ich Eltern empfehlen möchte ist: Qualität vor Quantität. Für Eltern sollte es wichtig sein, WIE sie Zeit MIT dem Kind verbringen und nicht wie viel Zeit sie das Kind “bei sich” haben.

Kelih Andrea (pädagogische Leitung “Bussi Bär”)
Artikel aus “frische BÖE” Nr. 48, März 2004